Melz Exdrähm 2012

„Wo warst ´n Du am letzten Wochenende?“ „Beim Melz.“ Genau diese Aussage reicht mittlerweile aus, um dem eingefleischten Enduristen, der gerne auch mal etwas technischer unterwegs ist, hinreichend klar zu machen, was da an besagtem freien Ende der zurückliegenden Woche abgegangen ist, denn nach der nun vierten Ausgabe eben dieser Veranstaltung ist der Bekanntheitsgrad mittlerweile recht hoch. Für weniger involvierte Anhänger des Endurosports bedarf es da zumindest der Ergänzung, dass es sich um ein vom SHC-Meltewitz ausgerichtetes Extrem-Enduro handelt. Übersetzt man das Attributwort nun noch in die dort, in der Nähe von Leipzig vorherrschende Landessprache: „Exdrähm“, ist der Titel auch schon komplett genannt – Melz Exdrähm IV.

Und genau diese Bezeichnung hat diese kleine aber feine, fast familiär anmutende Veranstaltung auf jeden Fall verdient. Da haben sich eine handvoll Leute dieses nicht großen Vereins auch in diesem Jahr wieder richtig rein gekniet, um im Vergleich zu 2011 noch mal ordentlich nachzulegen, was die streckentechnischen Anforderungen an die Fahrer angeht – gelungen ist es ihnen allemal.

Was das Fahrerfeld bei diesem Rennen auszeichnet, ist, dass jeder ausnahmslos damit umzugehen weiß, wenn die Strecke ihm an der einen oder anderen Stelle mal ordentlich die Zähne zeigt, was bei gut 30°C Außentemperatur und Gewitterwetter schon mal etwas mehr als nur eine Extraschweißperle mit Druck unter dem Helm hervor treibt. Der zum Gewitter gehörende Regen kam allerdings erst gegen Ende des Rennens an – ich bin mir allerdings nicht mehr so richtig sicher, ob der Wunsch nach „himmlischer“ Abkühlung die Ungewissheit übertraf, wie sich die für einen Ostseeküstler und einen Hauptstädter doch recht ansehnlich in die Strecke gefügten Steigungen, sei es mit positivem oder negativem Richtungsvorzeichen, nach oder während einem niedergehenden Platzregen dargestellt hätten. Nach der erfolgreichen Streckenbewältigung in diesem Jahr, wäre ich bei Version V, die es hoffentlich geben wird, durchaus bereit, mich jener erschwerten Herausforderung zu stellen.

Beim Debüt von Patti – Kopf der motoXschmiede.de sowie GELÄNDESPORT NORDOST in persona meiner Wenigkeit bei dieser schönen Enduro-Orgie war ein trockener Track im vorgefundenen Layout fürs Erste Herausforderung genug. Dafür sorgten neben der direkt auf den Start folgenden so genannten „Insel der ersten Entscheidung“, eine ziemlich dichte Ansammlung von durchmesserstarken Betonrohren, Bahnschwellen, Reifen aller Größen, Baumstämmen in den fiesesten Abständen sowie alle möglichen Kombinationen aus Genanntem, obendrein noch Sperrmüllcontainer im Kopfstand und Abfahrten, die für die Mutigen Absprünge und für alle anderen Motoradrunterwerfpunkte waren, auch viele vom Veranstalter lustig benamte Streckenabschnitte der lediglich 10 km langen Runde. „Was, nur 10 km?“ wird sich da so manch einer fragen, „Und dafür knapp 400 km Anreise?“ Da kann man als begeisterter Teilnehmer wie ich nur voller Überzeugung sagen: „Ja, genau dafür, - und ich bereue nichts!“ Genauso ging es auch meinem Mitstreiter Patti. Wenn wir auch fast die gesamte, für die Bezwingung der Runde zu Verfügung gestellte Zeit von 3 h in Anspruch genommen haben, waren wir am Ende stolz, zu den knapp 50 von beinahe 100 Startern zu gehören, die in Wertung ins Ziel gekommen sind, was einem auch noch kurz vor der Ziellinie mit einer 1,5 m hohen Walze aus aufgestellten Bulldozerreifen verwehrt werden sollte, in deren Anfahrt es keinerlei Utensilien oder Bodenansammlungen gab, durch die ein Erklimmen dieser Gummiraupe hätte auch nur ansatzweise Erleichterung erfahren. Letztendlich ist nach zwei Anläufen und etwas Unterstützung auch dies gelungen, und wir konnten die begehrte karierte Flagge aus nächster Nähe und für uns geschwenkt sehen.

 

Ich kann nur sagen, dass ich bis dato an noch keinem Rennen teilgenommen hatte, bei dem ich mich beim Abgehen der Strecke und Anblick einiger Hindernisse ernsthaft am Kopf kratzend gefragt habe, ob meine antrainierte Fahrtechnik (beim heimischen Enduro wird selten eine Herausforderung ausgelassen) für die adäquate Bewältigung ausreichend ist und ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von nicht einmal 4 km/h erreicht habe und trotzdem richtig Fahrspaß aufkam. Wenn ich aber höre, dass der als „Hillclimbhang“ bezeichnete Anstieg nur von knapp 10% des Feldes ohne Hilfe bezwungen wurde und mir dann noch einige Namen aus der Startliste vor Augen halte (Martin Wilholt – Zweiter in der Expert Klasse bei den RB Romaniacs 2010, Eddie Findling – Zweiter in der Expert Klasse bei den RB Romaniacs in diesem Jahr, René Dietrich – 16. am Erzberg 2007, Benny Menzel – Sieger in der Iron Man Klasse beim 24h-Enduro 2012, …), was zumindest etwas das Streckenniveau widerspiegelt, dann bin ich nicht wirklich traurig, dass es nicht für einen Platz weiter vorn gereicht hat.

Im nächsten Jahr sind wir jedenfalls wieder dabei, auch wenn es „Kühe“ regnet und die Meltewitzer sich noch mehr Gemeinheiten ausdenken.

In Erinnerung bleiben uns auf jeden Fall die schönen Hindernisse, von denen es genug gab, die geilen Stein-Canons, die Abfahrt nach dem Bulldozerreifenfeld, die nicht wirklich viele einfach so runter gefahren sind sowie die geilen Singletrails durch den Wald um den Dornreichenbacher Steinbruch und den Cross-Test des Enduro DM Laufes „Rund um Dahlen“.

 

 

Gruß Dirk #30

Ein paar wenige Bilder von Dirk und Patti:

Melz Exdrähm 2012

 

Für weitere visuelle Eindrücke des ganzen gibt’s ein schönes Video von den BALANCE FREUNDEN, denen auch der diesjährige Sieger Michael Günther angehört:

 

http://www.youtube.com/watch?v=cGD9eIWXesk

 

Für etwas umfangreichere bewegte Bildinformationen:

 

http://www.youtube.com/watch?v=jfZHQAP65BI&feature=related

 

Stehende aber handwerklich ziemlich gut eingefangene Momente gibt’s dort:

 

http://www.facebook.com/media/set/?set=a.363618770376667.82711.361819810556563&type=1

 

und hier:

 

http://vimeo.com/52550907

 

 

Wenn wir es mit unserer pünktlichen Anmeldung geschafft haben sollten – hoffentlich ist dem so –, dann ist die nächste größere Herausforderung das „Getzen Rodeo“ im November – vielleicht sieht man sich ja dort.

 

Einen Vorgeschmack auf das, was da auf uns zukommt, gibt’s auch schon:

 

http://www.youtube.com/watch?v=IOKVGFdxX9c&feature=player_embedded