RuZ = Rund um Zschopau

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„Zschopau muss man als richtiger Endurofahrer einfach mal mitgemacht haben …“ dieses oft wiederholte Zitat, von wem es auch immer ursprünglich stammt, haben wir uns zu Herzen genommen und es in diesem Jahr endlich geschafft, uns dieser Aufgabe anzunehmen.

(alle Fotos von Ester alias nütztdochnüscht aus dem ORF - danke dafür)

Mit der Erfahrung aus jenem Erlebnis können wir das obige Zitat nun wie folgt erweitern: „… wenn man dafür bereit ist!“

Denn wer Rückewege mit viel querliegendem Holz, Baumstümpfen und großen, langen und glitschigen Wurzeln sowie Spurrinnen nicht mag oder zumindest fahrtechnische Probleme mit diesen, geschweige denn der Kombination aus allem, gemischt mit etwas Schlamm hat, der sollte entweder ein waschechter Masochist sein oder es lieber bleiben lassen, in Zschoope (wie das schon jetzt fast legendäre „Rund um Zschopau“ von seinen Kennern und Fans liebevoll genannt wird) an den Start zu gehen. Denn das ist der Herausforderungen auf der 85 km langen Runde, die wir (Starter in der B-Lizenzwertung) zwei Mal zu bezwingen hatten - und das ist an dieser Stelle wirklich das richtige Wort -, bei weitem noch nicht alles.

Diese gerade angesprochenen Rückegassen mit mehr oder weniger steilem Anstieg waren mir noch vom Besuch der Sixdays im letzten Jahr bekannt – dort Teil der Sonderprüfung unter der Stromtrasse in Bönichen. Nun durften wir sie selbst unter die Stollen nehmen. Sie machten die An- und Abfahrt zum und vom Schlammloch unter der Hochspannungsleitung, welches wie gewohnt von hunderten Zuschauern gesäumt war,

die sehen wollten, wie sich die Fahrer in der ersten Runde farblich veränderten, zu einem kräftezehrenden Unterfangen. Hier hieß es immer am Ball bleiben und nicht den Schwung verlieren, um nicht bergauf an einer glatten Wurzel hängen zu bleiben, denn dann würde es nur mit Schieben und Zerren unter erheblichem Konditionsverlust weiter gehen. Genau dies ereilt einen nur zu leicht auch in jenen Auffahrten, die für Rund um Zschopau bereits berühmt berüchtigten Bekanntheitsgrad erlangt haben, den Weberhang sowie den Teufelsberg.

Aber nicht nur an diesen Stellen sowie vielen weiteren Magnetpunkten (von denen es einige – besonders Auffahrten - gab), nein überall standen Zuschauer, Kinder mit ausgestreckten Händen, die abgeklatscht werden wollten und ganze Gruppen, die einem zuwinkten – auch an geländetechnisch komplett uninteressanten Stellen, und da wird mir bei einer asphaltierten, einspurigen Wirtschaftsstraße mitten über einen weitläufigen Acker wohl keiner widersprechen.
Ich kenne das prinzipiell zwar bereits aus den vergangenen Jahren vom Novemberpokal in Woltersdorf, aber in der Intensität und Masse habe ich eine solche Begeisterung noch nicht erlebt – es war eine sehr angenehme Erfahrung für einen sonst eher allgemeiner Skepsis begegnenden Enduropiloten.

Ebenfalls gut besucht waren die Sonderprüfungen deren es gleich drei im Rundenverlauf gab, was man als LM-Pilot ja nicht wirklich gewohnt war. Gleich nach dem Start vom Marktplatz in der Zschopauer Innenstadt ging es noch recht kalt, denn nach 3 km Straße wird es wohl kaum jemand geschafft haben, die Muskeln warm zu bekommen, in die erste Prüfung, den „ollen“ Skihang, an dem bei solchen Bedingungen (es hatte ja über Nacht, am Morgen und auch die Tage davor noch kräftig geregnet) selbst die Topfahrer in den Kurven "langsam" machen. In dem Test gibt es aber auch wirklich keine Kurve, die nicht irgendwie nach außen, zu Seite, schräg oder quer hängt. Hintern zu weit hinten und Ellbogen unten, mit zu wenig Druck auf dem Vorderrad wurde umgehend mit unkontrollierbar ausbrechendem Heck und kaum einzufangendem Richtungsverlust bestraft. Man musste sich also in jeder Sekunde voll und ganz auf jedes Bisschen antrainierte Fahrtechnik besinnen und konzentrieren, sonst hätte man mal ganz blöd da und zeitraubend an falscher Stelle am Hang rumgestanden. Irgendwie, wenn auch sehr verhalten, denn Fehler hätten mehr Zeit gekostet als das vorsichtige Fahren, habe ich dieses glitschige Etwas eines Crosstests hinter mich gebracht.
Im weiteren Verlauf der Runde stand dann die Prüfung „Under the Bridge“ an – mir irgendwie noch als Klemm’sches Motodrom bekannt, so aber wohl nicht mehr genannt. Jedenfalls war das mein Lieblingstest an diesem Renntag. Gespickt mit einigen künstlichen Hindernissen (Betonstapel, Steinfeld, Baumstämme, Bahnschwellen, Felsbrocken sowie Betonröhren und –platten) gab es neben der geilen Kulisse unter der Schnellstraßenbrücke auch ein paar kleine aber feine Auffahrten mit integrierten Kurven in Staub und Geröll. Trocken war’s allerdings auch wirklich nur hier unter der „Überdachung“ (oder Überbrückung ;o).
Ausdauer beim Fahren mit Renntempo konnte man dann beim dritten Test am Venusberg unter Beweis stellen, nach dem man sich gerade kraftraubend den Weberhang hinauf gekämpft hatte. Nach dem Start folgten auf endlos erschienenen Ackerschleifen mit jedem nur erdenklichen Kurvenverlauf und einem Verbindungsstück mit Ackerspurrillen eine MX-Strecke mit Schlamm und ausgefahrenen Rinnen, ein Waldstück mit glatten Wurzeln und dann auch noch nicht wenige Schleifen und Auffahrten im Steinbruch. Und weil das der Anstrengung für einen einzigen von insgesamt sechs zu fahrenden Tests noch nicht genug war, ging es bis auf die Waldpassage auch alles wieder in umgekehrter Reihenfolge zurück.
Durch die vielen spotbegeisterten Fans an der Strecke kam man sich nie allein auf weiter Flur vor – nichtmal im Wald, denn in jedem größeren Waldstück erwartete einen mindestens eine, fahrtechnisch nicht ganz triviale Herausforderung, an der die Besucher gespannt verfolgten, wie sich jeder einzelne anstellte, diese zu bezwingen.

Erahnen konnte man diese attraktiven Aufgabenstellungen im Rundenverlauf meist schon im Voraus, wenn selbst für die bereits in vollem Gange befindliche Pilzsaison ungewöhnlich viele Autos am Waldrand geparkt waren. Gesehen hat man speziell die Auffahrten aber oft erst, wenn man in einer Spurrinne im 90° Winkel und über Wurzeln um einen Baum bog und sich dann bereits quasi mitten in der Anfahrt eben dieser vorfand. Und mit dem in unseren Breiten oft ausreichenden Gasstoß zur richtigen Zeit in der Kompressionsphase waren diese mit frei gefahrenen Steinen und Wurzeln übersäten Auffahrten nicht ansatzweise zu meistern. Es macht unglaublich viel Spaß, wenn man gefühlte 3 Minuten lang permanent beim Kuppeln, Gasgeben, Gleichgewicht halten, Ausgleichen und Blickführung beachten ist, um überhaupt irgendwie eine Chance zu haben, diese Enduropfade zu bewältigen. Woran man sich als nordischer Küstenbewohner auch erst gewöhnen musste war, dass man es absolut vergessen konnte, das Moped im Falle von Festhängen in der Auffahrt auch nur ein kleines Stück mit leierndem Hinterrad weiter zu schieben, um eventuell über einen Stein hinweg zu kommen. Aufsitzen, ausreichend Gewicht auf die Heckstollen bringen und die Mopete immer mit Kupplungsgefühl an der Traktionsgrenze bewegen war angesagt, dann ging’s auch halbwegs vorwärts – manchmal (zumindest an Weberhang und Teufelsberg) aber auch nur mit Helfereinsatz. Ohne erwähnte Technik ging allerdings auch so fast nix. Unter den Motivationsrufen der schwer ackernden Jungs hat man sich dann aber zusammengerissen dem Kupplungsfinger alles abverlangt.
Es waren allerdings nicht immer Anstiege, die für die Fahrer sichtbar mit bunten Jacken und gelbem Absperrzaun markiert waren. Auch Schlammpassagen entpuppten sich als Besuchermagnete. Das galt nicht nur für die oben bereits erwähnte Trasse in Börnichen.

Auch und gerade im Wald gab es die eine oder andere fiese Endlosrille durch Modder, Äste und Wurzeln und auch noch berghoch, die einen durchaus einer ordentlichen Portion Kondition berauben konnte.

Für mich war diese Geländefahrt eines der geilsten - ich möchte fast sagen das geilste - klassische(n) Endurorennen. Auch wenn ich mir nicht unerhebliche Strafminuten eingefangen habe, denn nach einem stattlichen Stau vor einer Auffahrt bei ZK1 in der ersten Runde und der daraus resultierenden Zeitstrafe von gut 10 Minuten, habe ich es vorgezogen, mich nicht mehr um meine eigentlichen ZK-Zeiten zu kümmern und ab dort vorzustempeln, also auch bei verfrühter Ankunft einfach immer sofort durch die ZK zu rollen, um nicht wegen Überschreitung der 30 minütigen Karenzzeit vorzeitig aus dem Rennen genommen zu werden. Meine Strategie ging am Ende auf und ich habe dieses unglaublich schöne, erfahrungsreiche, anstrengende, herausfordernde und traumhafte Rennen in Wertung beendet. Andreas und Stefan haben das ganze sogar völlig ohne Strafzeit hinbekommen, was dann auch mein nächstes Ziel sein wird – was natürlich am besten ohne Stau funktionieren würde.

Im Nachhinein dürfen wir wohl zu Recht festhalten, dass wir für Rund um Zschopau bereit waren – an Verbesserung ist natürlich noch so einiges möglich und wird fürs nächste Jahr auch ambitioniert angestrebt. Aber zumindest brauchen wir uns nicht nachsagen lassen, dass wir uns ein einfaches „Rund um Zschopau“ für unser Debut ausgesucht haben, denn auch die Top-Fahrer bestätigten, dass es mit das schwerste Rennen dort war.
Im nächsten Jahr wird GELÄNDESPORT NORDOST auf jeden Fall wieder dabei sein – in welcher Besetzung auch immer – wir drei aber garantiert.

Jetzt geht’s aber erstmal nach W-Dorf zum Novemberspektakel, wofür wir durch das „Training“ in Zschopau wohl ausreichend gewappnet sein sollten, auch wenn sich die Jungs (wie ich bereits hörte) dort nahe der Hauptstadt noch ein paar leckere „Schweinereien“ für uns ausgedacht haben. :o)

Ich freu‘ mich d’rauf! (Gilt dieser Satz jetzt eigentlich als geklaut? Hat die Restaurantkette „Zur goldenen Möwe“ sich den etwa schützen lassen – oder war’s Kaufhof?)  ;o)
Auch wenn ich leider nicht am Prolog teilnehmen darf als Hobbylusche. ;o) - wäre ´ne gute Übung für’s Melz Exdrähm die Woche darauf gewesen.

 

Wir sehen uns …

 

Also – bis denn dann …

Dirk #574