„Abenteuer Erzberg“

So bewirbt der Veranstalter sein 2-tägiges geführtes Training auf den originalen Strecken des berühmten Erzberg-Rodeo.

Wir machten uns auf den Weg um herauszufinden was sich hinter dem Begriff „Abenteuer“ wirklich verbirgt und ob sich der enorme Aufwand dafür wirklich lohnt.

Zur Erinnerung: benötigt werden 2 Urlaubstage (An- und Abreise) sowie ca. 500€ Investitionsaufwand (300 Gebühr + 100 Diesel + 50 Hotel + 50 Verpflegung/Sonstiges)

 

Der Freitag ist komplett für die Anreise drauf gegangen. 11 Stunden inkl. 2 Pausen und 120 km/h auf der Bahn sind natürlich zu unterbieten, so hielten wir aber den Stress-Level niedrig.

Nach der Ankunft blieb noch Zeit für zünftiges Abendessen in der Wirtschaft und kurzes Durchschalten der lokalen Sender. Danach fielen wir in unruhigen Schlaf, voll der Erwartung was uns Samstag erwartet.

 

Samstag dann Entladen, Bekleiden, Anmelden, andere Teilnehmer abchecken und ta, ta, ta, taaa: Erwärmung unter Anleitung der Choaches- das kann ja heiter werden!

Anschließend dann gemeinsames Fahren zu einem kleinen Rundkurs. Hier wurden WIR abgecheckt und in Gruppen den Trainern zugewiesen. Mit einer mittelstarken Gruppe waren wir gut bedient.

Danach langsames Herantasten an die Geländegegebenheiten und schrittweises Abarbeiten aller Erzbergsektionen, die auch im Rennen vorkommen.

Der Ablauf war immer gleich: Der Coach erklärt die Schwierigkeiten, gibt Fahrtechniktipps, macht´s vor und danach machen´s die Teilnehmer nach. Anschließend gab’s direkt die Verbesserungshinweise bei Fehlgeschlägen i.d.R. so lange, bis es jeder gepackt hat.

 

Dieser Modus eines „Trainings“ ist optimal. Jeder kann beobachten, nachmachen und hat meist direkt sein Erfolgserlebnis. Wer viel Kondition hat wiederholt so oft er Lust hat, wem die Puste noch von der letzten Sektion fehlt der kann auch mal aussetzen.

Der terrassenhafte Aufbau des Geländes ist ideal. Zwischen den Stufen ist echtes Gelände ohne Rückwärtsgang, hier muss sich jeder quälen. Wieder ein Level weiter oben angekommen kann man sich ausruhen, mal ein Stückchen flott fahren und so dem Moped die nötige Kühlung verpassen. Und wenn man nicht mehr kann fährt man eine Serpentine  auf der Prologstrecke eine Etage höher und wartet dort auf den Rest der Bande.

 

Zwischendurch Suppe aus der Büchse, abends dann Suppe aus der braunen Glasflasche.

 

Sonntag das gleiche Programm mit den verbliebenen Sektionen.

 

Wir sind während der ganzen 2 Tage nur 100km gefahren, 4,5 Betriebstunden mit einem Schnitt von 22km/h. Dieser ist so weit oben wegen der Prologabschnitte. Der Rest ist schieben, heben, drücken, zerren und ausruhen.

 

Neben den aus dem TV bekannten spektakulären Abschnitten hat der Berg aber auch ganz andere Qualitäten: laaaange Singletrails bergauf in den Wäldern ähnlich Riesengebirge, wurzelige Auffahrten mit erdigem (!) Untergrund à la Zschopau, Steine/Schotter in allen Körnungsgrößen, Serpentinen-Abfahrten bei denen man den Motor getrost auslassen kann und traumhafte Ausblicke.

Die Dichte, Intensität und Vielfältigkeit der Geländeschwierigkeiten habe ich bisher nicht erlebt. Mal benötigt man jede seiner 50 Pferdestärken, das nächste Mal verflucht man jedes Kilo zuviel. Himmel und Hölle liegen hier dicht beieinander

 

Das Abenteuer ist gelungen.

Auch ein individueller Ausflug mit Kumpels zum Eisenberg wäre nicht so gut geworden. Viele Sektionen wären wir ohne unseren Trainer nicht angegangen. Dadurch wurden unsere Grenzen verschoben und wir konnten live „erfahren“, was mit Enduros noch so möglich ist außer Sandfahren. Vor Steinen haben wir keine Angst mehr.

 

Für alle die es evtl mal selbst probieren wollen:

Nein, am Erzberg macht man sich nicht zwangsläufig sein Moped kaputt, alles human.

Alte Plastiks, geschlossene Handschützer und Zusatzlüfter (nur 4Takt) empfehlenswert

Alle sekundären Teile (Lampenmaske, Heck + Kennzeichen, Blinker…) abbauen

Kratzer/Schrammen an Alu-Teilen sind schwer vermeidbar

Umbedüsen (auch 2Takt) und neue Reifen sind nicht notwendig

Kupplung vor Reisebeginn auf Verschleiß checken, wird intensiv genutzt

Gute Grundkondition empfehlenswert

 

Wir werden alle 3 noch lange von den intensiven Erlebnissen zehren.

Zum Rennen werden wir (Oli und Ich) nie fahren, dass ist dann noch mal ein ganz anderer Schnack. Renè will es mal versuchen.

Wir drücken ihm ganz fest die Daumen

 

Bilder:

Erzberg Training 2013

 

Videos einzeln: