Von Männern und Eulen

Eulen oder im speziellen Nachteulen werden in der Literatur äußerlich mit "gedrungenem Körper und im Vergleich zu ihren Artgenossen großem Kopf" beschrieben. Nunja Namenspatron für unseren alljährlichen Kampf mit den Elementen und der Dunkelheit war nicht diese Eigenschaft der gefiederten Vertreter. Auch der Umstand, dass Eulen als Lockvogel für die jagende Zunft gelten, dank ihrer Eigenschaft von anderen Artgenossen als Hassobjekt gesehen zu werden, war nicht der Ursprung. Obwohl der Gedanke einen Enduristen in der Nähe eines Hochstandes aufzubauen, schon interessante Züge annimmt. Nur der Gelockte dürfte in diesem Falle nicht die gewünschte Beute sein, sondern der Jagende selbst... ABER ich schweife ab. Nach dem kleinen Exkurs durch die evolutionäre Entwicklung unseres nun zum fünften Male auszutragenden Spaßbewerbs, also hier nun der zusammenfassende Blick auf "did janze".

Wie jedes Jahr wurde für den Termin erst der Mond und dann der Waidmann angefragt. Es hat schon Züge wie im alten Griechenland, vor jeder Schlacht erst die Götter um Ihre Gunst anzurufen, aber so ist das mit dem Endurosport, der Egoist wird irgendwann am Widerstand der Allgemeinheit  abprallen.

Es ist 15 Uhr, Zeit sich dem Startpunkt des Geschehens zu nähern, und so erwache ich - der Nachteule gleich - aus meinem Mittagsschlaf... die Dunkelheit naht.

Start ist gegen 17 Uhr angepeilt, so kann sich jeder noch in Ruhe vergewissern, dass die Beleuchtungsanlage den Bedürfnissen entspricht, die Fahrerbesprechung kann erfolgen und so vergehen die 2 Stunden auch wie im Fluge. Am Ende sind wir 13 Fahrer, welche sich auf die unbeleuchteten Pfade begeben wollen. Glücklicherweise sind auch diesmal wieder genügend Helferlein und Fotografen zusammengekommen, damit wir einerseits das Geschehene auch für die Nachwelt erhalten können und auf der anderen auch einen kleinen Bewerb abzuhalten, für den es natürlich unerlässlich ist, auch die Fahrzeiten aufzunehmen. Der Startschuss fiel und es geht erst einmal, den Motor warmschnurrend, auf Landwegen und Ackerkanten zum ersten Highlight, Jans neu präpariertem Steinfeld. War es in vergangenen Tagen ein popeliger schräg liegender Baum - naja Ast - welcher hier den Anspruch setzte und dennoch für fliegende Motorräder sorgte (Man denke an Herrentag 2011 ;-) ), waren es nun kleine, durch Jans unterdurchschnittliche Pflasterkunst eher im Weg liegende "Katzenköpfe" an einer kleinen Geländestufe, welche den Schwierigkeitsgrad setzten. Es ging leicht rein aber schon das erste Mal "raus" sollte erst unser Führungsfahrzeug Dirk straucheln lassen und wie ich dann, nach einigen weiteren Gemeinheiten der Feldsteinpflasterkunst wohlbehalten auf dem Acker wartend, feststellen durfte, auch den anderen Teilnehmern z.T. den ersten Eulenmilchzahn zog. Nun durfte kurz durchgeatmet werden, und es ging der bekannten Rinne um die Sumpflandschaft, bekannt aus  Janeks Kindertagen, in denen man auch schon mal Motorradsumpfleichen findet, entlang. Dann war es aber endlich so weit, wir erreichten die Rückewege nicht weit vom Startpunkt. Um also ohne diese eine Wegstrecke von vielleicht 200 Metern zu schaffen, wird hier ein Hin und Her angefahren, welches gespickt ist mit schönen, in allen Winkeln im Weg liegenden Stämmen, garniert mit durch die Stürme der letzten Wochen neu und in "halber Höhe" in die Spur gefallenen Bäumen. Dirk fand eine schöne Spur hindurch und ich denke jeder war die harten Arme und ein Stück seiner, eventuell von Weihnachten sowieso geschröpften Kondition los, nachdem wir wieder auf leichteres Geläuf einschwenkten. Ich nutzte die Charakteristik der Strecke noch schnell um den Winkel meiner Helmlampe bei zügigerer Gangart zu testen, justierte nach und so waren wir auch schon am Start der Sonderprüfung. Eigentlich sollte es ja quasi instantan weitergehen doch hatte die Zielzeitnahme gehörige Probleme  ihrem Namen gerecht zu werden. So startete mit leichter Verzögerung Gerrit als erster in die Dunkelheit. Weiter ging es, der Reihenfolge unserer 2 Stundenenduroplatzierung folgend. Ich durfte mich also, für mich leider, für "Onkel Wudtke" wahrscheinlich zu seiner Zufriedenheit, hinter ihm als fünfter auf den Kurs begeben. Um es vorweg zu nehmen, es war glatt. Es ist dem Winter untypisch recht warm aber dafür umso feuchter gewesen in den letzten Wochen, der Boden also Wasser geschwängert. Egal ich hatte mich am Vortag nach 6 wöchiger Abstinenz ja schon auf die Rille begeben und wusste was mich erwartet. So fand ich auch im 3. Gang die Brücke über den Habichtskammgraben. Mann, Mann - die wird schon recht schmal, wenn man sich mit 60 km/h nähert. So ab jetzt einfach nur der, durch das Wintertauwetter tief und tiefer gewordenen, Rinne folgen und nicht "faceplanten" :-). Irgendwann dann kamen die erlösenden Autoscheinwerfer und der erste Streich war geschafft. Da die Fahrzeitberechnung ja einfach war, konnten meine Vorstarter nicht anders und haben schon mal ausgerechnet... bis  hierher Platz 2 hinter Gerrit. So weit, so nicht schlecht. Als alle der Sonderprüfung entkommen sind, sollte es nun bereits dezimiert weitergehen. Jörg hat seine Kupplungsflüssigkeit komplett verloren und warf das Handtuch. Der Rest also weiter gen Umkehrpunkt. Die Wiesen waren weich und unter Wasser, was ich von hinten durch Dirks eintauchen auf der Drei-Graben-Wiese bestätigt sah, als er das kühle Nass mit seinem Oberkörper zu teilen gesuchte. Beim Schilfgraben versuchte dann noch ein Reh in heller Aufregung mit einem beherzten Sprung in den Zaun zu entkommen ansonsten ging es ohne weitere Vorkommnisse dem Ende des ersten Teils der Reise zu. Hier hielten wir uns nun nicht lange auf. Außer einigen Liebkosungen - nicht wahr Gerrit? Wie stehst Du denn sonst einen DM-Lauf durch ;-)?- und ein paar Schlucken aus der Wasserflasche hielt uns nichts vom Aufbruch ab.

Nun aber zurück. Dirk nahm noch eine Boden... naja eher Wasserprobe vor dem Schilfgraben und es ging zurück zum SP Start. Auf zur Hatz, jetzt nichts mehr anbrennen lassen und sauber durchkommen... die Rille kennst Du ja schon .... oder? Denkste an der ungünstigsten, weil langsamsten Stelle ein neues Hindernis. Ein wohl frisch gefallener Baum in einem halben Meter Höhe über den Weg. Also irgendwie drübergewuchtet und leicht außer Atem weiter. Der Rest verlief wie gehabt und wir konnten dem Ende entgegen... wenn ja wenn da nicht noch die Rückewege wären. Dirk schaffte es irgendwie eine noch, ich nenne es mal ausgefallenere Spur zu finden und so kam es doch zu deutlichem Körperflüssigkeitsverlust, welcher nicht mit Erregung zu erklären war.. ja doch es ist Schweiß, der einem aus den Poren rinnt, wenn man nur noch ziehend und zerrend weiterkommt. Irgendwo trafen wir auch die Rille wieder und es sollte nur noch Jans Pflasterweg zu erklimmen sein. Nachdem ich also hier schnell getestet habe wofür mein Motorschutz da ist und mich noch schiebend die nächste Anhöhe hochschleppte, war es geschafft. Wir kamen ca. 20:30 Uhr, also nach einem ca. 3h Enduro, wieder an und es durften der von Eckhart abgeholte Gulasch und der Hopfentee genossen werden. Die Siegerehrung brachte den nicht überraschenden Gewinner Gerrit hervor, ich durfte mal wieder Andreas den Vortritt geben, der auf dem Rückweg meine vorgelegten 7 Sekunden Vorsprung locker wieder reinholte und mit am Ende 6 Sekunden vor mir landete- ich also Dritter wurde. Alles/Alle sind heil ins Ziel gekommen, und die Eule hat Ihr neues Heim nun in Wolgast.

 

Bis zum nächsten Jahr, so long Frank.

 

Bilder:

Nachteule 2013, © Dr. Lurchi, MW und Steffi

Video:

Nachteule2013 from GSNO on Vimeo.

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